Wenn Selbstorganisation zur gemeinsamen Haltung wird

Kirchzarten. Es ist nur ein kurzer Weg zwischen der Erich-Rieder-Straße und dem Schulgelände der Freien Schule Dreisamtal der Lindenbergstraße 14 – und doch beschreibt diese Nähe mehr als zwei Adressen im selben Ort. Sie beschreibt eine Haltung, die beide Einrichtungen teilen. Seit Jahren fördert die FSM AG aus Kirchzarten die Freie Schule Dreisamtal regelmäßig – aus Überzeugung, aus räumlicher Verbundenheit und aus einer inhaltlichen Schnittmenge, die größer kaum sein könnte.

Zwei Kirchzartener Institutionen, ein Prinzip

Die FSM AG entwickelt und produziert seit 1989 intelligente Elektronik – unter anderem für Messtechnik, Intelligentes Schalten und Batterie-Management-Systeme. Rund 125 Mitarbeitende arbeiten am Standort Kirchzarten, seit Dezember 2021 klimaneutral. Was das Unternehmen darüber hinaus auszeichnet, ist seine Organisationsform: FSM arbeitet in selbstorganisierten, interdisziplinären Teams ohne Hierarchien. Fachleute unterschiedlicher Disziplinen arbeiten gleichrangig zusammen, Abteilungen und klassische Vorgesetztenstrukturen wurden abgeschafft.

Wie das im Alltag funktioniert, hat Santha Zeiher von FSM im Podcast des Netzwerks Südbaden erzählt. In Episode 24 mit dem Titel „Es geht ohne Führung“ berichtet die Marketing-Verantwortliche über die neuen Wege der Selbstorganisation – über Verantwortung, die nicht delegiert, sondern geteilt wird, und über Entscheidungen, die dort fallen, wo die Kompetenz liegt.

Die perfekte inhaltliche Schnittmenge

Genau hier liegt die Verbindung zur Freien Schule Dreisamtal. Die 2004 gegründete Schule arbeitet nach reformpädagogischem Konzept in altersgemischten Gruppen, ohne Leistungsdruck, interessengeleitet und lebensnah. Sie orientiert sich an den Grundsätzen alternativer Schulen und der Montessoripädagogik, ist Mitglied im Bundesverband Freier Alternativschulen und als private Grund- und Werkrealschule und Gemeinschaftsschule mit durchgängig zehnjährigem Konzept aufgestellt.

Was FSM im Unternehmen praktiziert, praktiziert die Schule im Klassenzimmer: Kinder und Jugendliche übernehmen Verantwortung für ihr eigenes Tun, lernen und arbeiten in Gruppen ohne starre Hierarchie, und Selbstständigkeit ist kein Ziel, das man später erreicht, sondern die Grundlage des Alltags. Ein Unternehmen, das Führung abgeschafft hat, und eine Schule, die auf Selbstbestimmung setzt – das ist nicht nur eine gute Nachbarschaft, sondern eine geteilte Überzeugung.

Dazu kommt die räumliche Nähe: Beide sind in Kirchzarten zu Hause, beide sind Teil des Dreisamtals, beide prägen denselben Lebensraum. Förderung ist hier keine anonyme Spende aus der Ferne, sondern Engagement im eigenen Umfeld.

Was FSM bisher gefördert hat

Die Unterstützung ist keine einmalige Geste, sondern eine Reihe:

  • 2024 – Zirkusprojekt: Kinder erproben sich in Artistik, Bühne und Gemeinschaft – Selbstwirksamkeit, die man körperlich erlebt.
  • 2025 – Abenteuer Ozean: eine Vortragsveranstaltung in den Black Forest Studios, die Wissen und Staunen zusammenbringt.
  • 2026 – Wildnis vor der Haustür 2: erneut eine Vortragsveranstaltung in den Black Forest Studios – diesmal mit Blick auf die Natur direkt vor der eigenen Tür.
  • 2026 – Spielsachen für das Außengelände: Bewegung, Spiel und Begegnung im Freien, mitten im Schulalltag.

Vier Projekte, ein roter Faden: Es geht um Erfahrungen, die Kinder selbst machen – um Neugier, Natur, Bewegung und Gemeinschaft. Und es geht um ein Unternehmen, das dort unterstützt, wo es zu Hause ist.

Gelebte Nachbarschaft

FSM und die Freie Schule Dreisamtal verbindet mehr als die Postleitzahl. Die eine hat klassische Führung in eine hierarchiefreie, erfolgreiche Organisationsform übergeleitet, die andere hat ein pädagogisches Konzept, welches die Schülerinnen und Schüler an selbstorganisiertes Lernen heranführt. Wenn ein Kirchzartener Unternehmen eine Kirchzartener Schule fördert, die denselben Gedanken lebt, dann ist das gelebte Nachbarschaft – und ein Beispiel dafür, wie Selbstorganisation über die eigene Organisation hinauswirkt.