Zeit ist mit das wertvollste Geschenk, was man geben kann. Genau dies schenkten unsere Schulkinder der 4. Klasse den Bewohnerinnen und Bewohnern des Caritas Seniorenzentrums bei ihrem diesjährigen Abschlussausflug.

Bei uns werden Übergänge bewusst gestaltet. Der Wechsel von der Primaria in die Sekundaria ist für die Kinder ein bedeutender Schritt.  Im Viertklasstreff überlegten die Schülerinnen und Schüler selbst, wie sie ihren letzten gemeinsamen Ausflug gestalten möchten. Ihre Entscheidung war eindeutig: Sie wollten noch einmal das Seniorenwohnheim besuchen.

Dieser Wunsch ist Ausdruck dessen, was wir täglich leben. Kinder übernehmen Verantwortung für sich und die Gemeinschaft, gestalten ihr Lernen aktiv mit und erleben, dass ihr Handeln zu sichtbaren positiven Ergebnissen führt. Sie lernen nicht nur für das Leben, sie lernen mitten im Leben. Die Begegnung mit älteren Menschen schafft Erfahrungsräume, in denen Empathie, Respekt und Mitmenschlichkeit ganz selbstverständlich wachsen können. 

Unsere Kooperation mit dem Caritas Seniorenzentrum ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Bereits im vergangenen Jahr wurde gemeinsam Osterschmuck gebastelt, eine schöne Tradition, die in diesem Frühjahr mit großer Freude fortgeführt wurde. Außerdem gestalteten die Kinder der Primaria im vergangenen Advent für jede Bewohnerin und jeden Bewohner eine persönliche Weihnachtskarte. Für viele ältere Menschen, die nur wenig Besuch oder Zuspruch erhalten, waren diese liebevollen Botschaften ein wertvolles Zeichen der Verbundenheit.

Am 7. Juli wurden unsere Viertklässler herzlich empfangen. Zur Begrüßung führten sie den Tanz „Halt, das ist unser Wald“ auf und sorgten damit sofort für fröhliche Stimmung. Anschließend hatten die Kinder zahlreiche kreative und spielerische Angebote vorbereitet. Gemeinsam wurden Blumen aus Pfeifenputzern gebastelt, Postkarten gestaltet, getont und gemalt, Spiele wie „Mensch ärgere dich nicht“ und „Piggy Piggy“ gespielt, Ziehkarten gefaltet, dreidimensionale Zeichnungen ausprobiert und Geschichten aus „Oma schreit der Frieder“ vorgelesen.

Besonders berührend war die große Freude und Dankbarkeit der Bewohnerinnen und Bewohner. Diese Begegnungen machten deutlich, wie wertvoll echte Aufmerksamkeit und gelebte Gemeinschaft sind, für alle Generationen.
Die Kinder wurden liebevoll umsorgt. Getränke, Äpfel, Gummibärchen und Wassereis sorgten für eine willkommene Erfrischung und rundeten den gelungenen Vormittag ab.

Für Maria Montessori war Bildung immer mehr als die Vermittlung von Wissen. Sie verstand Kinder als aktive Gestalter ihrer Umwelt und war überzeugt, dass sie durch echte Erfahrungen zu verantwortungsbewussten, mitfühlenden Menschen heranwachsen. Genau das wurde an diesem Vormittag sichtbar: Die Kinder schenkten den Seniorinnen und Senioren Zeit, Aufmerksamkeit und Freude und erhielten im Gegenzug Dankbarkeit, Wertschätzung und unvergessliche Begegnungen.

„Die Aufgabe der Umgebung ist nicht, das Kind zu formen, sondern ihm zu erlauben, sich zu offenbaren.“ – Maria Montessori